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Interview
mit
Lawrence Roman
geführt von Roger Clement für Hamburg aktuell
Roger Clement: Herr Roman, mit ihren Komödien ist Ihnen ein seltener
Durchbruch in die amerikanische Unterhaltungsindustrie gelungen:
Sie sind ebenso erfolgreich als Filmautor in Hollywood wie auch als Bühnenautor
am Broadway. Komödien wie Under the Yum-Yum Tree-verfilmt
mit Jack Lemmon...haben sie bekannt gemacht. Wie stehen sie zu Ihrem Ruf
als Komödienautor? Wären sie nicht lieber mit Arthur Miller
als mit Neil Simon in Verbindung gebracht?
Lawrence Roman: Zuerst muss ich sagen, dass ich nicht an eine Trennung
zwischen ernsten Stücken und Komödien glaube. Eine
Komödie kann auch sehr ernst sein. Und sogar eine Farce. Ich meine,
die bloße Darstellung des menschlichen Leids muss nicht an sich
Kunst sein. Freude ist ebenso sehr ein Teil der wirklichen Welt wie Leid,
auch wenn sie vielleicht seltener ist und vielleicht deswegen als
eine höhere Kunstform anzusehen als Konflikte
und Angst.
Mir fällt aber auch etwas Seltsames auf in diesem Konflikt zwischen
Ernst und Komik. Es ist nämlich einfacher, ein Publikum durch Leid
zu rühren, als es zum Lachen zu bringen. Stellen also nicht der Autor,
die Schauspieler eine höhere Kunst dar, wenn sie Lachen
hervorbringen? Meiner Meinung nach ist das Lachen sehr unterschätzt.
Das gleiche gilt im Bereich der Ideen. Ideen, die in einem dramatischen,
also ernsten Stück vorgetragen werden, sind vielleicht einfacher
in dieser Form darzustellen als in der Form einer Komödie. Die Komödie
verlangt einen Sinn für Humor, nicht nur vom Autor und von den Darstellern,
sondern auch vom Publikum. Ich glaube, das Publikum besitzt so etwas im
allgemeinen, doch kann ich das nicht immer von unseren Rezensenten behaupten.
Roger Clement: In Ihren Stücken kann man sich immer sofort mit den
Figuren assoziieren, sich mit Ihnen identifizieren. Wie schaffen sie das?
Liegt es eher am sicheren Handwerk oder an der Kunst?
Lawrence Roman: Wenn ich schreibe, denke ich nicht an Kunst oder Handwerk.
Ich glaube kaum, dass ich Kunst überhaupt definieren könnte,
daher überlasse ich das anderen. Ich überlege mir einen Stoff,
ein Thema, das ich im Stück behandeln will. Denn es geht in meinen
Stücken fast immer um Gedanken, Gefühle, Konflikte, moralische
Zwiespalte usw., die das allgemeine Publikum auch die eigenen nennen kann.
Das ist für mich sehr wichtig.
Ich habe das Gefühl, dass etwas in meinen Stücken oft zu Unrecht
übersehen wird. Obwohl meine Stücke eigentlich ganz bescheiden
sind, bringen sie alle das Publikum dazu, über die eigenen Probleme
zu lachen. Das schafft Erleichterung und Befreiung, aber auch Perspektiven.
Im Grunde mache ich mir nicht allzu viel aus meinen Stücken. Aber
ich liebe es, wenn das Publikum zu mir kommt und erzählt: Mir
ist auch gerade dieses oder jenes passiert..
Roger Clement: Denken Sie an ein besonderes Publikum, wenn sie schreiben?
Ich meine, wollen Sie eine besondere Schicht von Menschen erreichen?
Lawrence Roman: Ich schreibe weder für ein Broadway-Publikum noch
für die Intellektuellen, wenn Sie das meinen. Nein, ich ziele auf
ein möglichst breitgefächertes Publikum. Sehen Sie, ich glaube,
dass das Theater für jedermann da ist. Nicht nur für die, die
Kunst wollen, und auch nicht für jene, die nur Unterhaltung
wollen. Es ist für alle da. Leider wird so oft die Reichweite des
Theaters eingeengt, und ich glaube vor allem von den Kritikern.
Zum Schluss möchte ich noch einen Punkt betonen, der mir sehr am
Herzen liegt.
Es gibt im Theater Platz für alles! Ich glaube, wir sollten nach
mehr Streben statt nach weniger.
Es gibt Platz für Dramen und Komödien und Poesie und Farcen
und Thriller, für die Intellektuellen wie für die Menschen ohne
hohe Ansprüche. Die Weltgeschichte enthält alles. Nur sind manche
Formen manchmal in und andere eben out. Das Publikum
packt das alles, davon bin ich überzeugt.
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