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In der Sauna wohnt E.T. Boulevard-Theater: „Zum Verlieben, dieser Fisher“ von Horst Willems im Darmstädter TAP: Ein Bürgermeister auf Abwegen – Ausgesprochen hochprozentige Unterhaltung DARMSTADT. „Ach, ist das hübsch hier“, piepst die junge hübsche Blondine mit hohen Stiefeln, mit der Bürgermeister Albert Finley am Wochenende in seinem Landhaus das tun will, wozu Bürgermeister in der Woche keine Gelegenheit haben – wenn sie verheiratet sind. Und Bürgermeister Finley ist verheiratet: Der Boulevard-Routinier Joachim Rudolph spielt den professionellen Schwerenöter mit lüsternem Blick, Inka Schmietendorf verkörpert ansehnlich die Blondine in der neuen Farce, die in der Darmstädter Komödie Tap am Freitagabend Premiere hatte: „Zum Verlieben, dieser Fisher“. Horst Willems hat das Lustspiel geschrieben. Der 66 Jahre alte Verwaltungsleiter der Komödie Düsseldorf hat so viele Farcen englischer Boulevardiers von Ray Cooney bis John Chapham übertragen, dass er sich eines Tages sagte, das kann ich auch. „Zum Verlieben, dieser Fisher“ ist sein erstes eigenes Stück, und nach dem überaus herzlichen Beifall, den die Premiere jetzt in Darmstadt fand, sicherlich nicht sein letztes. Ein lauschiges Liebesnest am Wochenende ist geplant? Boulevard-Autoren fällt eine Menge ein, wie man derlei verhindert. Der Autor zieht alle Register, angefangen von einem Polizisten, der in die Idylle hineinplatzt, um dem Bürgermeister eine dringende Nachricht zu berbringen, bis zu dieser dringenden Nachricht in persona, einer leibhaftigen US-Senatorin, die den Bürgermeister als Gouverneur in Erwägung gezogen hat, und – natürlich – der Ehefrau des Bürgermeisters. Oliver Lemki spielt den etwas tölpelhaften Polizisten mit jener erkennbaren Lust am Spiel, die sich dem Publikum mitteilt, Simone Seebacher die Senatorin, die gewohnt ist, das Sagen zu haben, Nadja Solf die Ehefrau mit gewinnendem Charme. Aber diese alle sind nur Steinchen, die der Boulevard-Autor dem Schwerenöter von Bürgermeister in den Weg legt. Einen ausgewachsenen Felsen verkörpert dagegen Ken Fisher, der Wohnsitzlose, der sich in des Bürgermeisters Sauna einquartiert, weil dieser denen ohne Wohnung in seinem Wahlbezirk großzügig eine Wohnung versprochen hatte – vor den Wahlen. TAP-Prinzipal Dieter Rummel, der dies alles inszeniert hat, spielt den Wohnsitzlosen als Kontrapunkt zu den anderen so zurückgenommen, dass er mit seiner leisen bescheidenen Stimme unter all jenen, die hier immer etwas bestreiten oder behaupten, ausgesprochen auffällt: eine leise, aber umso nervendere Nervensäge. Aber wie könnte er auch nicht auffallen: mit einer ledernen Motorrad-Kappe aus den Anfängen der Motorisierung, Handschuhen mit abgeschnittenen Fingerlingen, einem sonnenblumenübersäten weiten Mantel, unterfüttert mit Zeitungen? Eine groteske Figur, die auf Frauen auffallend anziehend wirkt, vermutlich, weil sie so bemitleidenswert ist – wie der einsame Außerirdische E.T. Dieser arbeitslose Programmierer Ken Fisher entpuppt sich als Westentaschen-Macchiavelli, der den Bürgermeister schnell alt aussehen lässt, die Blondine, mit der der Bürgermeister so gerne seine ebenfalls blonde Ehefrau betrügen möchte, hält der Zuschauer angesichts der Schnelligkeit, mit der sie heimlich Hochprozentiges kippt, für eine weibliche Saufeule, bei der man sich nicht lange fragt, woran ihre beiden Ehen gescheitert sind. Und was erfährt man über Politik? Dass eine Karriere ebenso schnell enden kann wie beginnen. cid 15.11.2004 Das Stück läuft bis Februar 2005 im Darmstädter Tap. Mittwochs bis samstags 20.15 Uhr, sonntags 18 Uhr. Silvester 18.30 Uhr und 22.30 Uhr. Kartentelefon: 06151 33555. |
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